Sind wirklich immer beide schuld
an einer toxischen Beziehung?

Wenn über narzisstische Beziehungen gesprochen wird, fällt früher oder später ein Satz, der zunächst vernünftig klingt: Es gehören ja immer zwei dazu. Der eine zeigt abwertendes, kontrollierendes oder grenzüberschreitendes Verhalten  und der andere macht ja auch mit. Beide hätten ihren Anteil. 

Und genau an diesem Punkt lohnt es sich, genauer hinzusehen. Ja, beide zeigen Verhalten. Aber Verhalten ist nicht automatisch gleichwertig. Und Verantwortung verteilt sich nicht symmetrisch, nur weil zwei Menschen beteiligt sind. Es gibt Beziehungen, in denen kein Gleichgewicht herrscht. In denen eine Person dominant auftritt, Kontrolle ausübt, Grenzen überschreitet, bis hin zu psychischer oder körperlicher Gewalt. Und es gibt eine andere Person, die darauf reagiert. Sie bleibt. Sie hofft. Sie erklärt sich. Sie passt sich an. Sie versucht, in einer Situation handlungsfähig zu bleiben, die sie nicht verursacht hat. Dieses Verhalten entsteht nicht zufällig. 

Stell dir eine konkrete Situation vor: Es gab einen Streit und dir wurde die Schuld zugeschoben oder du wurdest abgewertet. In dir entsteht Unruhe. Du willst klären, willst verstehen, willst die Verbindung wieder herstellen. Also erklärst du dich, gehst noch einmal ins Gespräch, suchst nach einer Lösung oder relativierst das, was passiert ist. Nicht, weil es sich richtig anfühlt, sondern weil du die Situation beruhigen willst. Genau hier reagiert dein Nervensystem. Es versucht, Sicherheit herzustellen in einer Situation, die sich gleichzeitig unsicher und verbindend anfühlt. 

Frühe Erfahrungen spielen dabei eine Rolle. Wenn du gelernt hast, dass Verbindung wichtig ist oder dass Konflikte Unsicherheit bedeuten, reagierst du schneller mit Anpassung. Du versuchst, die Beziehung zu stabilisieren, auch wenn es dich Kraft kostet. 

In narzisstischen Beziehungen kommt eine besondere Dynamik dazu. Nähe und Abwertung wechseln sich ab. Es gibt Momente von Verbindung oder Hoffnung und dann wieder Abwertung, Rückzug oder Druck. Diese Wechsel sind schwer einzuordnen. Du suchst nach Orientierung, versuchst zu verstehen, was passiert, und bleibst dadurch oft länger in dieser Dynamik. 

Der Anteil, den du dabei hast, beschreibt dein Verhalten. Er beschreibt, wie du mit der Situation umgehst. Er beschreibt Anpassung, Reaktion und Aushalten. Was er nicht beschreibt, ist das Verhalten der anderen Person. Und er erklärt auch nicht, warum jemand abwertend, kontrollierend oder übergriffig handelt oder Gewalt ausübt. Verantwortung entsteht dort, wo Grenzen überschritten werden, wo Druck aufgebaut wird und wo Macht eingesetzt wird, um den Rahmen der Beziehung zu bestimmen. 

Wenn dieser Unterschied nicht klar benannt wird, verschiebt sich der Fokus. Dann geht es nicht mehr darum, was passiert ist, sondern darum, warum du nicht anders gehandelt hast. Warum du geblieben bist. Und genau das ist keine sachliche Einordnung, sondern eine Verschiebung von Verantwortung. In narzisstischen Beziehungen erklärt dein Verhalten, wie du mit der Situation umgehst. Es erklärt nicht, warum sie entstanden ist. Oder klar gesagt: Es gehören vielleicht zwei dazu, aber nicht beide tragen die gleiche Verantwortung. 

Wenn diese Unterscheidung klar wird, entsteht Orientierung. Du erkennst, was zu dir gehört und was nicht. Genau an diesem Punkt beginnt Veränderung. Wenn du deine eigene Situation einordnen möchtest, kannst du ein kostenfreies Erstgespräch vereinbaren. In diesem Gespräch schauen wir gemeinsam auf das, was du erlebst, und klären, welche Dynamik bei dir wirkt. Du bekommst eine klare erste Einschätzung und Orientierung für deine nächsten Schritte. 

Wenn du deine eigene Situation einordnen möchtest, kannst du ein kostenfreies Erstgespräch vereinbaren. 

Wir schauen gemeinsam auf das, was du erlebst, und klären, welche Dynamik bei dir wirkt. 

Du bekommst eine klare erste Einschätzung und Orientierung für deine nächsten Schritte.